Teil 1 "Orientierungshilfe"
6. überarbeitete Auflage, Ausgabe November 2009
Die vorliegende Broschüre wurde erstellt, um Führungskräften und Verantwortlichen für den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz Orientierung bei psychischen Belastungen von Mitarbeitern zu geben. Belastungen dieser Art können zu verringerten Arbeitsleistungen, zu höheren Unfallgefährdungen und zu gesundheitsschädlichen Folgen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit führen.
Im Interesse der Beschäftigten wie auch im Interesse des Unternehmens sind die betrieblichen Führungskräfte, insbesondere direkte Vorgesetzte in die Pflicht genommen, um Abhilfe zu schaffen. Im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht sind sie verantwortlich, dass geeignete Maßnahmen eingeleitet werden. Dies trifft insbesondere auf arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren oder Belastungen zu, die zu Gesundheitsschäden führen können.
Auch wenn keine wahrnehmbaren Belastungen vorliegen, kann die Fürsorgepflicht des Vorgesetzten notwendig werden. Dieser Fall wäre dann gegeben, wenn besondere Belastungen aus der Privatsphäre des Mitarbeiters zu Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit oder gar zur Selbstgefährdung führen.
Spätestens dann fangen die Unsicherheiten an: „Was ist zu tun? Wie spreche ich mit dem Mitarbeiter? Ist der Mitarbeiter noch arbeitsfähig oder darf er seine Tätigkeiten nicht mehr ausüben?“ Die vorliegende Broschüre soll Orientierung geben, wenn es um Fragen dieser Art geht. Sie soll verhindern, dass aus Unkenntnis nicht oder erst zu spät reagiert wird.
Konzipiert ist diese Broschüre als Hilfe zur Selbsthilfe, indem sie Informationen zur richtigen Situationseinschätzung und zum weiteren Vorgehen gibt. Es werden konkrete psychische Belastungssituationen mit den entsprechenden Handlungsanforderungen an die Verantwortlichen dargestellt. Auf diese Weise kann ein Beitrag zur Handlungssicherheit all derer geleistet werden, die mit Problemen dieser Art konfrontiert sind.
Handlungssicherheit fördert Handlungsbereitschaft und ist damit die Voraussetzung, um in kritischen Situationen sicher zu reagieren. Wegschauen oder Verharmlosen als Folge von Unsicherheit darf es nicht geben. Zum Abbau dieser Unsicherheiten soll diese Broschüre orientierend beitragen.
Teil 2 - "Erkennen, Beurteilen und Verhüten von Fehlbeanspruchungen"
4. überarbeitete Auflage, Ausgabe Juni 2007
Diese Broschüre ist eine Handlungshilfe für Unternehmen, die im Rahmen der Risikobeurteilung auch psychosoziale Faktoren berücksichtigen wollen. In der Praxis gelingt es oftmals gut, die klassischen Gefährdungen auf ein Minimum zu reduzieren. Dennoch treten weiterhin gesundheitliche Beschwerden bei den Beschäftigten auf, bleibt der Krankenstand hoch, kommen Unfälle vor, wird die Qualität der Arbeitsprozesse und Arbeitsergebnisse als unzureichend bewertet und/oder ist die Arbeitszufriedenheit und Motivation niedrig.
Mehr Beachtung müssen zusätzlich die psychosozialen und organisatorisch bedingten Gefährdungen erhalten. Diese ergeben sich z. B. durch zunehmende Arbeitsverdichtung, Zeitdruck, Komplexität der Arbeitsinhalte, fehlende soziale Unterstützung oder permanente organisatorische Veränderungen. Es ist notwendig, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz ganzheitlich unter Einbeziehung aller physischen und psychischen Arbeitsanforderungen aufzufassen.
Nur so können Unfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen verhindert werden. Besonders das Erkennen psychischer Fehlbeanspruchungen und die Aufnahme der psychischen Belastungen in die Reihe der bisher bekannten „klassischen“ Gefährdungen stellt Unternehmer, Sicherheitsfachkräfte, Betriebsärzte als auch Beschäftigte häufig vor große Probleme. Gründe dafür sind zum einen Unkenntnis, zum anderen existieren Berührungsängste, da vielfach psychische Belastungen unzutreffend interpretiert werden.
Die Broschüre soll helfen, ein breites Spektrum möglicher arbeitsbedingter Fehlbeanspruchungen zu erfassen und zu bewerten. Gegenstand der Betrachtung sind vor allem weitgehend objektiv zu beurteilende Aspekte der Arbeitstätigkeits- und Arbeitsorganisationsgestaltung. Soziale Faktoren bzw. Fragen der Personalentwicklung bedürfen einer speziellen Analyse und werden deshalb hier nur am Rande betrachtet.
Teil 3 "Vermeiden von Fehlbeanspruchung durch Arbeitsgestaltung"
3. überarbeitete Auflage, Ausgabe Januar 2008

Der sich vollziehende Wandel zur wissensintensiven und kundenorientierten Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft, der zunehmende Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien und der sich verschärfende Wettbewerb sind wesentliche Faktoren, die gegenwärtig zu umfangreichen Veränderungen der Arbeits- und Organisationsstrukturen in den Unternehmen führen.
Infolge der veränderten Arbeitsaufgaben, Arbeitsweisen und Arbeitsmittel ist eine Zunahme von psychischen und sozialen Belastungen zu verzeichnen. Gelingt es diese Veränderungen günstig zu gestalten, kommen die Auswirkungen nicht nur den Beschäftigten, sondern auch dem Betriebsergebnis zugute. Die vierte Umfrage der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebensund Arbeitsbedingungen in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU 2006) zeigt, dass Arbeitsbedingungen oft ungünstig beschaffen sind.
Festgestellt werden eine Abnahme der relativ hohen Autonomie und eine Zunahme der Arbeitsintensität. Von den hoch qualifizierten Arbeitskräften wird der Grad der Arbeitsintensität am höchsten angegeben. Insbesondere das Arbeitstempo scheint zuzunehmen. Dass sie genügend Zeit für ihre Arbeit zur Verfügung haben, bestätigen in den EU-15-Staaten beispielsweise nur 68,7% der Beschäftigten.
Wenn die Indikatoren, die die Arbeitsinhalte beschreiben, bei der vierten europäischen Erhebung über die letzten zehn Jahre ausgewertet werden, ist ein langsamer aber deutlicher Rückgang des Anteils der Tätigkeiten zu verzeichnen, zu deren Anforderungen das Problemlösen und das Lernen neuer Dinge sowie die Beurteilung der Qualität eigener Arbeitsergebnisse gehören. Weitere Untersuchungen zeigen, dass gesundheitliche Beschwerden bei Bildschirmarbeit einen starken Bezug zur Art der ausgeführten Tätigkeit aufweisen.
Es konnte nachgewiesen werden, dass um so weniger Gesundheitsbeschwerden angegeben werden, je abwechslungsreicher und anspruchsvoller die Arbeitsaufgaben sind. Ungünstig wirkt sich dagegen eine einseitige Belastung aus. In Debitz, U., Gruber, H. & Richter, G. (2007) wurde ein 3-Stufen-Konzept für das Erkennen, Beurteilen und Verhüten von psychischen Fehlbeanspruchungen vorgestellt. Die Stufe 3, die im Folgenden behandelt wird, konzentriert sich auf das Verhüten von psychischen Fehlbeanspruchungen durch Arbeits- und Organisationsgestaltung.
Teil 4 - "Psychische Belastungen - Checklisten für den Einstieg"
3. überarbeitete Auflage, November 2009

Die Reihe „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“ wendet sich an alle Unternehmer und Führungskräfte, die sich aus unterschiedlichen Motiven entschlossen haben, sich mit dem Thema „Psychische Belastungen und Beanspruchungen“ zu befassen und so etwas für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun möchten.
In einem ersten Schritt möchten Sie sich zunächst ohne Expertenhilfe (orientierend) einen Überblick über die Einflüsse verschaffen, die psychisch auf Ihre Beschäftigten einwirken. Sie möchten sofort beginnen, sind sich jedoch noch unsicher, wie Sie vorgehen sollen. Die vorliegende Broschüre stellt Ihnen eine Auswahl orientierender Verfahren aus Österreich, aus der Schweiz und aus Deutschland vor, die mit Erfolg in den jeweiligen Ländern angewendet werden.
Da es erfahrungsgemäss nicht genügt, die Verfahren nur zu kennen, möchten die Autoren Sie bei der Planung einer Analyse bis hin zur Ergebnisrückmeldung unterstützen. Auch die Themen, wie aus den gewonnenen Ergebnissen Massnahmen abzuleiten sind und wofür möglicherweise doch Experten hinzugezogen werden sollten, werden diskutiert.